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Rundgang durch den Kreis 6
à propos Tiefbau

von Nicola Behrens

Nicola Behrens, Co-Präsident der SP6, Rechtshistoriker und wissenschaftlicher Mitarbeiter des Stadtarchivs Zürich.
Der Kreis 6 umfasst die beiden früheren Gemeinden Unterstrass und Oberstrass, die sich 1893 der Stadt Zürich angeschlossen haben.

Die beiden Gemeinden waren
- und sind es leider noch heute - vom Verkehr geprägt!


Quartierrundgang
Oberstrass besitzt zwar so etwas wie ein Zentrum. Im Bewusstsein der Bevölkerung liegt dieses aber weder bei der Kirche oder dem ehemaligen Standort der Kirche beim jetzigen Kirchgemeindehaus, noch am Rigi-Platz, der endlich zu einem solchen aufgewertet werden müsste, sondern beim Migros und der Talstation des Rigibähnlis.

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In Unterstrass ist die Sache noch prekärer. Die drei möglichen Standorte Schaffhauserplatz, Guggach und Krone können den Anspruch einlösen, das Zentrum von Unterstrass darzustellen. Das ehemalige Zentrum mit der Gemeindeverwaltung von Unterstrass im Gemeindehaus, heute Polizeiposten, der Röslischür und dem Quartierhaus spielt nur noch für eingefleischte Quartierbewohnerinnen und -bewohner überhaupt eine Rolle.


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Unterstrass und Oberstrass waren typische Strassendörfer. Die erste Erwähnung erfährt Oberstrass 1376, in dem von einem Schiri (hat nichts mit Fussball zu tun!) an der oberen Strasse die Rede ist. Da war aber auch nicht davon gesprochen, dass der Herr Schiri in einem Dorf an der oberen Strasse gewohnt hat, sondern der hat einfach an der Strasse gewohnt. Die Gemeinden waren im Bewusstsein der Stadt Zürich, die ja die Geschichte der Gegend schrieb, einfach die Dörfer an der unteren und oberen Strasse. Die untere Strasse scheint übrigens schon römischen Ursprungs zu sein und wurde 1272 erstmals urkundlich erwähnt. Von der niederen Strass ist erstmals 1408 die Rede.

Bei den beiden Strassen handelte es sich um die Landstrassen von Zürich nach Winterthur und von Zürich nach Kloten und Schaffhausen.

Wer der unteren Strasse folgen will, der oder die muss vom Central her durch die Stampfenbachstrasse bis an die Beckenhofstrasse. Von dort ging sie ursprünglich via Langmauserstrasse an den Milchbuck. Aber schon im Mittelalter setzte sie sich von der Krone an fort in der Schaffhauserstrasse. Die Stampfenbachstrasse zwischen Beckenhofstrasse und der Krone wurde erst in den 1860er Jahren als neue Beckenhofstrasse errichtet. Sie und die um die gleiche Zeit gebaute Nordstrasse gingen voll durch den ehemaligen Park des Beckenhofs, der vom Palais bis hinunter ans Drahtschmidli ging. Was wir heute noch als Beckenhofpark schätzen, sind also eigentlich nur noch kümmerliche Reste einer einst grossartigen Anlage.

An der Schaffhauserstrasse standen bis ins 20. Jahrhundert nur noch bis etwas oberhalb des Schaffhauserplatzes etwelche Häuser. Der Ilanzhof war schon ein freistehender Bauernhof mitten in den Wiesen am Guggach und am Milchbuck.

Schaffhauserplatz
1878 wurde die Weinbergstrasse als weiterer wichtiger Strassenzug errichtet. Sie mündete beim Bauernhof zur eiserenen Zeit - so benannt nach der am Haus angebrachten Sonnenuhr - in die Schaffhauserstrasse. Der Schaffhauserplatz in seiner heutigen Form und die Hofwiesenstrasse entstanden als solche erst 1930.

Die obere Strasse wurde erstmals 1295 erwähnt und 1377 erstmals als obere Strasse bezeichnet. Sie nahm ihren Anfang am Neumarkt und führte dann die Künstlergasse hinauf auf das Platteau, an dem heute Uni, ETH und Universität liegen, und das die Zürcher dann einfach die "Platte" nannten. Von dort aus setzte sich diese Strasse fort durch die Culmannstrasse an den Rigiplatz. Der Gasthof zum alten Leuen stand exakt an der Strasse und orientierte sich damals noch hügelabwärts. Von dort aus ging es weiter über die heutige Frohburgstrasse nach Schwamendingen.


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In den 1830er Jahren wurde die Streckenführung der oberen Strasse verlegt. Die neue Landstrasse führte von da an über die Universitätstrasse und die Winterthurerstrasse. Diese heutigen Namen führen die beiden Strassen allerdings erst seit 1883. Dies ist besonders bei der Universitätsstrasse erstaunlich: Zwar wurde 1864 das vom grossen Architekten Gottfried Semper gebaute Polytechnikum eröffnet, die Universität Zürich war dort in Untermiete und musste bis 1914 warten, bis sie ein eigenes Universitätsgebäude erhielt.

Das Jahr 1883 war für Zürich von grosser Bedeutung, da dann im Platzspitz und dem obersten teil des Industriequartiers die erste Schweizerischen Landesausstellung stattfand. Auf dieses Ereignis hin wollte die Stadt die Quaianlagen am See fertig stellen und durch sie die Quaibrücke miteinander verbinden. Die Brücke wurde allerdings erst ein Jahr später fertig, auf die Parks am See musste man noch zehn Jahre warten. Mit der Brücke erhielt die Rämistrasse, die bis anhin eine Quartierstrasse von der Platte an den Stadelhofen war, ihre Bedeutung als Hauptverkehrsachse. Dadurch wurden auch die Universitätsstrasse und die Sonneggstrasse aufgewertet und im Stil städtischer Mietshäuser überbaut.

Die dichte Bebauung über das alte Dorfzentrum von Oberstrass hinaus setzte um 1890 ein und zwar nicht entlang der Winterthurerstrasse, sondern entlang von Rigistrasse, Hadlaubstrasse und Gemaniastrasse. Dahinter stand die Rigiviertelgesellschaft, die sowohl für den Bahnbau als auch den Bau des Villenviertels zuständig war.

Die erste grosse Überbauung an der Winterthurerstrasse wurde 1911 durch die Stadt an die Hand genommen: Nach den Plänen von Stadtbaumeister Fissler, übrigens einem Genossen, wurde mit dem Bau der Riedtlisiedlung begonnen.
Riedtli
Letzte Änderung: 15.3.2011, 22:32 Uhr SP6.
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