Momentane Situation Lehrstellenmarkt
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von
Sylvie-Fee Michel
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"Wer jung ist, dem steht die Welt offen"
hiess es
früher einmal...
Die Realität sieht heute leider anders
aus.
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Noch am ehesten hat der Spruch für Schweizer
mit einem Sekundarstufen A Abschluss Gültigkeit.
Von ihnen können durchschnittlich 71%
direkt nach der obligatorischen Schule mit einer
Lehre beginnen. Doch schon für Schweizerinnen
sieht die Situation schlechter aus. Auch mit einem
Sek A Abschluss finden nur 52% direkt
nach der Schule einen Ausbildungsplatz. Für
Schulabgänger ausländischer Herkunft ist die
Lage nicht besser. Nach der Sek A beginnen nur
55% von ihnen eine Lehre, von den Frauen gar
nur 50%. Erschreckender sehen die Zahlen bei
den Absolventen der Sek C aus. Von ihnen finden
nur 54% der Schweizer und 37% der
Schweizerinnen eine Stelle. Bei den Ausländern
sind es gar nur 30% und von den Ausländerinnen
nur 23% die direkt nach der Schule einen
Ausbildungsplatz finden.
Diese Zahlen zeigen,
dass nicht nur die Herkunft sondern auch nach
wie vor das Geschlecht eine Rolle spielt bei der
Suche nach einer Lehrstelle.
Wer keinen Ausbildungsplatz findet, hat die
Chance auf ein Brückenangebot. Das heisst ein
10. Schuljahr, einen Sprachaufenthalt, ein Praktikum
oder etwas ähnliches. Zurzeit besuchen
schweizweit 20'000 Jugendliche ein solches
Brückenangebot. Viele von ihnen würden dies
aus schulischer Sicht nicht benötigen. Für Gemeinden,
Kantone und Bund ist dies eine kostspielige
Angelegenheit. Ein Jugendlicher in einer
Zwischenlösung kostet durchschnittlich 15'000
Franken pro Jahr. Geld, das effizienter eingesetzt
werden könnte. Vor allem weil eine Zwischenlösung
keine Garantie für eine Lehrstelle
ist. 15% finden auch nach einem solchen Jahr
keinen Ausbildungsplatz oder eine Arbeitstelle.
Sie haben keine Arbeit, kein eigenes Einkommen,
keine Perspektive. Ohne Arbeit fehlen oft
auch die sozialen Kontakte. Zudem ist Arbeit
auch wichtig für die Orientierung des Menschen
im Rahmen der Gesellschaft: Wer bin ich? Was
kann ich? Wie kann ich etwas beitragen? Eine
konkrete Arbeit auszuführen, Fähigkeiten und
Kompetenzen zu besitzen, bilden eine wichtige
Basis für die eigene Identität. Eine Basis die
heute vielen Jugendlichen fehlt.
Die Situation auf dem Lehrstellenmarkt scheint
sich indes nicht viel zu verbessern. Bis mindestens
2007 wird die Zahl der SchulabgängerInnen
weiter ansteigen und gleichzeitig werden
teilweise Lehrstellen abgebaut. Zum Beispiel
haben die Grossbanken trotz eines Beschäftigungswachstums
von 27% 500 Lehrstellen gestrichen.
Ein solcher Abbau ist nicht konjunkturell
begründet. Der Kanton Zürich ist ein Paradebeispiel
für den Verlust von Ausbildungsplätzen.
Zwischen 1985 und 2001 gingen hier 5'400
Lehrstellen verloren während die Gesamtbeschäftigung
um 49'000 Vollzeitstellen zugenommen
hat. Der Anteil der Lehrstellen an der Gesamtbeschäftigung
sank in diesem Zeitraum von
6.0% (1985) auf 4.7% (2001). Auch wenn die
Zahl der Lehrstellen im Moment wieder leicht
zunimmt fehlen noch immer viel zu viele.
Die AG Lehrstellen hat 8 Thesen aufgestellt wie
weitere Lehrstellen, auch für Jugendliche mit
dem Sek C Abschluss geschaffen werden könnten:
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Thesen
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1. Es braucht ein obligatorisches 10. Schuljahr.
Die Anforderungen an die SchulabgängerInnen
ist in den letzten Jahren stark angewachsen.
9 Jahre sind nicht mehr ausreichend um
diese Menge an Lehrstoff zu vermitteln.
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2. Der Staat muss Lehrfirmen betreiben.
Viele Jugendliche finden keine Lehrstelle.
Staatliche Lehrbetriebe wären für sie ein Auffangbecken.
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3. Der Staat muss Lehrstellen subventionieren.
Viele Lehrstellen sind für die Freie Wirtschaft
nicht finanzierbar. Staatliche Subventionen
könnten solche Lehrstellen erhalten.
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4. Der Wille zur Ausbildung von Jugendlichen -
insbesondere lernschwachen - muss gefördert
werden.
Lernschwache Jugendliche haben besonders
Mühe einen Ausbildungsplatz zu erhalten.
Der Wille auch sie auszubilden muss mittels
Anreizen gefördert werden.
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5. Mit neuen Ausbildungsmodellen könnte der
Lehrstellenmarkt effizienter gestaltet werden.
Modelle wie Lehrstellenverbunde oder
Lehrstellensharing würden mehr Stellen
schaffen und könnten zur Erreichung einer
Vollbeschäftigung beitragen.
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6. Imageschwache Berufe müssen aufgewertet
werden. In Berufen wie Metzger oder Schuhmacher
fehlt es an Auszubildenden. Genügend Auszubildende
können nur durch eine Aufwertung
dieser Sparten erreicht werden.
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7. Betriebe, die Personen aus diskriminierten
Schichten beschäftigen, müssen steuerlich
entlastet werden.
Auf dem Ausbildungsmarkt kommt es zu vielfältiger
Diskriminierung. Um dem entgegen
zu wirken muss ein Anreiz geschaffen werden
gerade diese Jugendlichen eine Stelle anzubieten.
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8. Die Lösung des Jugendarbeitslosigkeitsproblems
liegt nicht allein in der Schaffung von
neuen Ausbildungsplätzen.
Um das Problem wirklich in den Griff zu bekommen
müssen genügen Stellen für LehrabgängerInnen
geschaffen werden, sowohl
durch die Wirtschaft wie auch durch staatliche
Institutionen.
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Sylvie-Fee Michel
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