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Die Weltfinanzkrise, das Schweizer Bankensystem und der Finanzplatz Zürich

SP6 Mitgliederversammlung vom 28.9.2009

von Gian Trepp

Neue Regeln braucht das Land!


Finanzkrise? Schnee von Gestern! Glaubt man der Mehrheit der Banker und Wirtschaftsjournalisten, so ist die Krise überstanden. Das Feuer ist gelöscht, sagte UBS-Chef Ossi Grübel erleichtert, wir können wieder zahlen. Während die Banker in den USA und England bereits höhere Boni als vergangenes Jahr kassieren. Und die Zürcher Kantonalbank vermeldete im ersten Halbjahr 2009 Rekorderträge aus dem Wertschriftenhandel. Erstmals in der Geschichte der Zürcher Staatsbank übersteigt der Handelsertrag - einst von der Linken als Spekulation gebrandmarkt -, den Ertrag im Zinsengeschäft, also der Tätigkeit als Spar-Kredit und Geschäftsbank. Da dreht sich der Frühsozialist und geistige Vater der ZKB Karl Bürkli im Grabe um.

Allein - und das sei den Post-Crash-Wunschdenkern ins Stammbuch geschrieben, der Schnee von Gestern ist das Wasser von Morgen. Weil die Lehren aus der Weltfinanzkrise 2008 weltweit und in der Schweiz nicht gezogen und zu Regeln für die Finanzmärkte konkretisiert werden, ist die nächste Finanzkrise nur eine Frage der Zeit. Na und? Könnte man jetzt sagen, Kapitalismus ist zyklisch, das gehört zum Spiel. Doch das wäre zu kurz gegriffen.



Portrait Gian Trepp

Gian Trepp, geboren 1947, studierte Volkswirtschaft in Zürich.
Er publiziert seit vielen Jahren über den Finanzplatz Schweiz und seine Geschichte.



Buchveröffentlichungen:
  • Ganz oben - 125 Jahre SBG
  • Bankgeschäfte mit dem Feind - Die Bank für Internationalen Zahlungsausgleich im Zweiten Weltkrieg
  • Finanzderivate - Die Risiken
  • Swiss Connection

Seit dem Untergang der Sowjetunion und dem Ende des Kalten Krieges haben sich die Krisen der globalisierten Weltfinanz mit jedem Zyklus verschärft, von der Asienkrise 1998 über New-Economy-Krise 2001 bis zur Finanzkrise 2008/2009.

Dass die Konsequenzen aus der Krise nicht gezogen werden zeigt der Blick in die USA, dem Zentrum der globalisierten Finanzmärkte. Präsident Obama hat die Kommandoposten der Finanzwirtschaft mit den gleichen Leuten besetzt, die das gecrashte System unter Präsident Bill Clinton in den Neunzigerjahren aufgebaut haben: Chefberater Larry Summers, Wirtschaftsminister Tim Geithner und Notenbankchef Ben Bernanke.

So erfolgreich die Feuerwehraktion dieses Trios seit Anfang dieses Jahres auch war, mittel- und langfristig fehlen der Obama-Administration die Perspektiven zur Regulation der Weltfinanzmärkte. Interessanterweise war dies in der grossen Depression der Dreissigerjahre des vergangenen Jahrhunderts gerade umgekehrt. Damals reagiert die US-Wirtschaftspolitik in der unmittelbaren Krisenbekämpfung falsch und verschärfte damit die unmittelbare Krise. Hingegen gelang es damals der Regierung von Präsident Franklin D. Roosevelt mit einer ganzen Reihe neuer Gesetze Wildwest und Wildwuchs an der Wall Street erfolgreich einzudämmen. Beispielsweise mit dem Glass-Steagall-Bankengesetz, das die Trennung von Investment Banken und Geschäfts Banken festschrieb, oder einem neuen Börsengesetz, das erstmals eine, wenn auch schwache Börsenpolizei etablierte.

In der Schweiz präsentiert sich die Lage ähnlich wie in den USA. Die Feuerwehraktion des Bundesrates vom vergangenen Oktober hat zwar den Brand auf Kosten der Allgemeinheit zu löschen vermocht. Doch bezüglich des mittel- und langfristigen Handlungsbedarfes herrscht seither Funkstille. Auch im Parlament sind Regulationen und Überwachung der Finanzmärkte zur Verhinderung von Finanzkrisen kein grosses Thema. Ebenso wenig wie die nötige Schrumpfung der beiden überdimensionierten Grossbanken UBS und Credit Suisse. Obwohl diese mittlerweilen zur gefährliche Hypothek für den Wirtschaftsstandort Schweiz geworden sind. Auch hierzulande präsentierte sich die Lage 1933/34, ähnlich wie in den USA, ganz anders. Damals bildeten Zusammenbruch und staatliche Rettung der Volksbank wichtige Treiber für das Bankengesetz, welches neben dem Bankgeheimnis auch erstmals eine, wenn auch schwache, staatliche Kontrollstelle etablierte, die Bankenkommission.

Zur Stabilisierung ihres Finanzsektors muss die Schweiz nach der Krise die Grossbanken schrumpfen und braucht neue Regeln für das Bankgeschäft. Dazu hat 2009 bislang einzig die Nationalbank Vorschläge gemacht. Empfohlen wird, wenn auch indirekt, die Schrumpfung von UBS und Credit Suisse. Sowie die Einführung von zwei Bremsklötzen für das Bankgeschäft. Nämlich die Erhöhung der Eigenmittelanforderungen und die Einführung eines maximalen Verschuldungsgrades. Darüber hinaus ist auch von erhöhten Liquiditätsanforderungen die Rede, sowie von erhöhten Reservevorschriften, so genannten antizyklischen Puffern.

An diesen Postulaten sollte die bislang ausgebliebene wirtschaftspolitische Diskussion der Schweizer Linken über die mittel- und langfristigen Lehren aus der Finanzkrise ansetzen. Es muss geprüft werden ob die Nationalbankvorschläge den volkswirtschaftlichen Interessendes Wirtschaftsstandortes Schweiz aus Sicht der Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer entsprechen? Arbeitsplätze, Steuereinkünfte, Pensionskassenkapitalien, viel steht auf dem Spiel, nicht zuletzt für den Finanzplatz Zürich.
Letzte Änderung: 22.4.2012, 16:23 Uhr SP6.
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