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Würdigung Robert "Bobby" Neukomm
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von Corine Mauch, Stadtpräsidentin
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Schon wieder stehen wir vor einer Stadtratswahl.
Es ist die erste seit 20 Jahren, die Bobby
Neukomm nicht für die SP gewinnen kann.
Einfach deshalb, weil er nicht mehr antritt. Nach
20 Jahren als Stadtrat beginnt in wenigen
Wochen für Bobby ein neues Leben. Ich
wünsche meinem Stadtratskollegen und meinem
Genossen für die neue Zeit einen guten
Start und das Beste, was der Ruhestand einen
zu bieten hat.
Nur bei einer seiner fünf Wahlkämpfe war der
Ausgang für Bobby Neukomm ungewiss. 1990
hätten wenige auf den Sieg der SP gewettet. Nur
acht Jahre waren vergangen seit der historischen
Niederlage der Partei von 1982. Es kam
anders: Ursula Koch, Sepp Estermann und
Bobby Neukomm zogen 1990 in den Stadtrat
ein, die SVP flog raus und steht seither draussen
vor der Türe. Die zweite Auflage des “Roten
Zürich" begann - mit Bobby als Polizeivorstand.
Erstmals seit 1919 übernahm wieder ein
Genosse die Macht in der Urania. Nach dem
Landesringler Hans Frick, der die Polizei (lange)
an der (zu) langen Leine führte und dem
leutseligen Freisinnigen Sieber, der der Polizei
schlicht alles durchgehen liess, nach mehr als
60 Jahren wieder ein Sozialdemokrat, der auch
noch so aussah wie einer, das war ein neues
Bild und für die damaligen Kader der Stadtpolizei
eine Herausforderung. Nicht alle wollten
begreifen, dass nun eine neue Zeit für die
Polizeiarbeit in Zürich beginnen würde.
Bobby Neukomm weiss von Berufes wegen, er
ist ja gelernter Forstingenieur, dass die Bäume
nicht in den Himmel wachsen. Insbesondere
wachsen Bäume langsam und es braucht
Geduld, bis ein Ertrag geerntet werden kann.
Acht Jahre sind eine zu kurze Zeit, um
Jahrzehnte alte Gewohnheiten und Gepflogenheiten
umzukrempeln. Aber den Grundstein gelegt
und die Aufbauarbeit geleistet für eine ganz
andere Polizei, als sie Bobbys Generation, die
68er und meine, die 80er, erlebt haben, das ist
das grosses Verdienst von Bobby Neukomm als
Polizeivorstand. Unter seiner Führung wurden
die Voraussetzungen geschaffen für eine Stadtpolizei,
die mit anderen Dienstabteilungen kooperiert
und in der Frauen nicht nur als “
Politessen" einen Platz finden sowie für eine
Dienstabteilung für Verkehr, die den Velo- und
Fussverkehr ernst nimmt. Nicht zu reden von
den Blauen Zonen, die Bobby Neukomm eingeführt
hat. Diese grossen Schritte und den
Kulturwandel im unfriedlichen Ordnungsdienst,
also bei Demonstrationen, die von Dritten gestört
werden, anzustossen, war eine Aufgabe,
die viel Geduld und Hartnäckigkeit, Weitsicht
und auch taktisches Geschick verlangte. Bobby
brachte alles mit. Und darum - und weil seine
Nachfolgerin Esther Maurer den Weg von Bobby
konsequent weiter ging - ist die Stadtpolizei
Zürich heute eine Polizei, die loyal, mit Augenmass
und Sachverstand ihren schwierigen Job
sehr gut macht.
1998 übernahm Bobby Neukomm das Gesundheits-
und Umweltdepartement. Dieses Amt
wurde in der Vergangenheit von ehemaligen
Gesundheitsinspektoren, also Chefbeamten des
GUD, geführt. Das GUD war deshalb ein Departement,
das gut funktionierte, mit der Betonung
auf dem Funktionieren. Unter Bobby funktioniert
das GUD immer noch, aber besser und vor allem
mit klaren Strategien und Zielsetzungen. Und es
ist ein Departement, das vernetzt denkt und
handelt, in der Drogenpolitik (4-Säulen-Streagie)
und auch bei der Spitalplanung. Die Sanierung
des Stadtspitals Triemli ist nicht nur ein
Grossprojekt mit mehreren hundert Mio. Franken
Kosten, sondern auch ein Leuchtturm-Projekt
auf dem Weg zur 2000-Watt-Gesellschaft.
Dank Bobby Neukomm.
Es geht die Rede von der Überalterung unserer
Gesellschaft. Der Subtext dazu heisst, wir haben
zu viele alte Menschen. Mich dünkt, dass Bobby
Neukomm als oberster Chef der städtischen
Spitäler, Alters- und Pflegeheime Seniorinnen
und Senioren nie als Belastung für unsere
Gesellschaft empfunden hat, sondern als
Bereicherung und als ein Teil unserer Gesellschaft,
der ein Anrecht hat auf ein menschenwürdiges
Alter, so wie jedes Kind Anrecht hat auf
eine gute Ausbildung oder jeder Arbeitende das
Recht auf einen rechten Lohn. Aus dieser Grundhaltung
heraus entwickelte Bobby Neukomm
und seine Mitarbeitenden eine Alterspolitik und
ein Altersangebot, das die Selbstbestimmung im
Alter - und im Sterben, das nun einmal zum
Altern gehört - ins Zentrum stellt.
Ein zweites Feld im sozialpolitischen Diskurs ist
die Prämienexplosion im Gesundheitswesen, mit
den bekannten Problemen für einkommensschwache
Haushalte oder für Familien mit tiefen
oder mittleren Einkommen. Für den Gesundheitsvorstand
Bobby Neukomm stand darum im
Vordergrund, sich für eine sozial ausgestaltete
Krankenversicherung und damit für eine wirksame
Prämienreduktion zu engagieren, ohne
deswegen die gute Qualität der städtischen
Gesundheitsdienstleistungen aus dem Auge zu
verlieren. Das Gesundheitsnetz für die Zürcher/-
innen ist von höchster Qualität und zum Beispiel
in der Geriatrie ausserordentlich innovativ. Die
Patient/-innen werden als autonome und
verantwortungsbewusste Menschen ernst genommen.
Gerade das ist wichtig!
Der dritte Bereich des GUD, der Umweltbereich,
ist in den letzten Jahren ins Zentrum gerückt.
Von Nachhaltigkeit reden viele, für Bobby Neukomm
als ehemaliger Forstingenieur aber war
Umweltschutz immer etwas, von dem besser
weniger geredet und mehr gemacht wird. Seinem
Engagement verdanken wir, dass die Stadt
die 2000-Watt-Gesellschaft nicht nur als Legislaturziel
formuliert hat, sondern beharrlich und
konsequent umsetzt, so dass Zürich heute nicht
nur punkto Lebensqualität, sondern auch bezüglich
Nachhaltigkeit europaweit in den Top Ten
figuriert.
Ich habe in meinen ersten Monaten als Stadtpräsidentin
Bobby als ruhender Pol im Stadtrat
erlebt und als hoch kompetenten und unaufgeregten
Kollegen erfahren. Sein Rat war mir
und vielen anderen in der Partei wichtig und
meistens war er auch richtig. Die Stadt Zürich
verdankt Bobby viel. Im Namen der Zürcherinnen
und Zürcher danke ich Dir, lieber Bobby,
ganz herzlich.
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Zum Rücktritt von Robert "Bobby" Neukomm aus dem Stadtrat
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von Ueli Keller
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Es muss vor bald dreissig Jahren, anfangs der
achtziger Jahre, gewesen sein, als ich Bobby
kennen lernte. Die SP hatte nicht gerade
Hochkonjunktur. Die Unterstützung der Jugendbewegung
und die Trägerschaft für das AJZ
hatten in den Wahlen 1982 keine Wähleranteile
gebracht, und einen Stadtratssitz hatten wir
auch keinen mehr.
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Die Mitgliederzahl war von
fast 300 auf unter 150 gefallen und die Wahl
von Otto Stich in den Bundesrat anstelle von
Liliane Uchtenhagen, führte zu weiteren Austritten.
Der Frust war gross, die Diskussionen
laut und die Gruppendynamik heftig, wir bissen
auf die Zähne und Bobby manchmal auf seine
Zigartette oder seinen Bart. Mit stoischer Ruhe
und Zuverlässigkeit verwaltete er die damals
knappe Kasse und wurde Präsident der SP
Zürich 6, und übergab die Kasse mir, im Vor-PC-Zeitalter
ein Kassenbuch und ein Karteikasten
mit den Mitgliederadressen. An Vorstandswochenenden
in kantonalen Forstarbeiterhäuschen
arbeiteten wir unter Bobbys Führung
am Comeback der SP. Und heckten legendäre
Aktionen aus: Nitratmessungen an Kopfsalaten
aus Schrebergärten im Quartier mit massiver
Grenzwertüberschreitungen. Blockade des Autoverkehrs
auf dem Fussgängerstreifen vor dem
Jelmoli am Samstag während der Waldsterben-
Debatte im Bundeshaus. Palettweise wurden
Drucksachen in der Hofdurchfahrt bei Neukomm's
im Häderlihof zwischengelagert, bis sie
zum Beispiel bei der Eröffnung des Milchbucktunnels
unter die Leute gebracht wurden. Auf
Bobbys Initiative hin entstand das sommerliche
Treffen mit der SP10 im Waidbad und Besichtigung
des aktuellen Stands des Baumsterbens.
Und im Winter gab's für den Vorstand
im gastfreundlichen Haus von Marianne und
Bobby und ihren Kindern Fondue und viel Weisswein.
Ab den Wahlen 1986 ging es dann wieder aufwärts
mit der SP. Ursula Koch wurde die vorerst
einzige SP-Stadträtin, und Bobby wurde
Gemeinderat (zusammen mit Monika Mahrer
und Lisbeth Sippel). Seine Bekanntheit im Quartier
Unterstrass und in der Kirchgemeinde
verhalf ihm zu einem Wahlresultat mit dem er
einen Listenplatz gutmachte und Werner Sieg
überholte. Bald belegte er einen Sitz in der
Geschäftsprüfungskommission und aspirierte
auf das Gemeinderatspräsidium. Bei einer Tarifrevision
des EWZ gelang es ihm einen Energiesparfonds
einzuführen. Pia Schell, Janos
Blum und ich lösten ihn als Präsident der SP6
ab und führten seinen kooperativen Führungsstil
im Vorstand weiter, erstmalig mit einem Co-
Präsidium, etwas das sich bis heute erhalten
hat. Überraschend für uns kandidierte Bobby
1990 für einen Stadratssitz. Noch überraschender
wurden nicht nur er sondern auch
Sepp Estermann neu in den Stadtrat gewählt
und Ursula Koch bestätigt. Im Gemeinderat
machten wir erstmals 4 von 11 Sitzen im Kreis
6: Werner Sieg als einziger bisheriger, Rose
Zschokke, Daniela Vogt und ich. Zusammen mit
Anette Schindler (Grüne) und Reni Huber (FRAP)
war der Kreis 6 mehrheitlich rot-grün im Gemeinderat
vertreten. Irgendein Scherzbold
überreichte Bobby an der überschäumenden
Wahlfeier im Coopi einen englischen Bobby-
Helm und es dämmerte uns, was der Wahlerfolg
bedeuten könnte. Am 1. Mai 1990 sah ich
Bobby zum (vorläufig?) letzten Mal am Umzug -
ab dann war eine Teilnahme für ihn aufgrund
seines Amtes mit zu vielen Risiken verbunden.
Auftakt für den neuen Polizeivorsteher war die
Einsetzung einer PUK durch den Gemeinderat
zur Untersuchung der politischen Polizei (Fichenaffäre).
Das Polizeidepartement hatte während
den 44 vorhergehenden Jahren gerade mal zwei
Vorsteher (Sieber und Frick), die meist nicht so
genau hingesehen hatten. Entsprechend musste
die Führung der Stadtpolizei das Fremdwort ’
Primat der Politik' erst lernen - der damalige
Kommandant anlässlich seines erzwungenen
Rücktritts. Bobby machte mit dem ihm eigenen
Fingerspitzengefühl in der Personalpolitik einen
stadtpolizeiinternen Kandidaten zum neuen
Kommandanten, der auch die Grösse hatte in
den SP-Fraktion aufzutreten und Positionen der
Stadtpolizei zu vertreten. Das war auch nötig in
den schwierige Zeiten im Umgang mit der
offenen Drogenszene am Platzspitz. Der Übergang
vom ’laisser-faire', vertreten vor allem vom
Sozialdepartement unter Emilie Lieberherrm zu
einer koordinierten Vier-Säulen-Politik (Prävention,
Therapie, Schadenminderung, Repression)
verlangten von der Polizei bisher Ungewohntes,
nämlich die Zusammenarbeit mit dem politischen
Vorgesetzten und Absprachen mit Anderen,
vor allem dem Sozialdepartement -
schliesslich war Bobby's Politik erfolgreich, und
er wurde europaweit zum gefragten Referenten
über das Zürcher Modell. Schon nach einer
Amtszeit wurde er mit mehr Stimmen als Urusla
Koch wiedergewählt. Bei den notorischen Auseinandersetzungen
mit dem schwarzen Block
gelang es den Obstruktion leistenden Kräften in
der Polizei (letztlich bis heute) immer wieder mit
Gummischrot, Tränengas und Wasserwerfer
(aber ohne Namensschilder) die Gewalttäter und
den friedlichen Umzug- und Veranstaltungsteil
zu einem untrennbaren Gewirr zu vermengen
und politischen Wirbel zu verursachen. Am eindrücklichsten
am 1. Mai 1996, als dutzendweise
Tränengaspetarden in den Zeughaushof gefeuert
wurden. Ein verkehrspolitischer Erfolg mit
der Einführung der Tempo-30-Zonen stellte
sich erst mit jahrelanger Verzögerung ein, weil
der geschwätzige SVP-Anwalt und Gemeinderat
Holzreuter, bezahlt aus den Geschäftsspesen
des SVP-Präsidenten und Autoimporteurs Walter
Frey haufenweise Rekurse bis vor Bundesgericht
zog. Bobby's Wirken lässt sich mit dem
SP-Wahlkampfslogan von 1998 zusammenfassen:
“Sorgt mit Ruhe für Sicherheit".
Nach zwei Amtsdauern konnte Bobby vom zermürbenden
Polizeidepartement ins Gesundheits-
und Umweltdepartement, eines der grössten
und wichtigsten in der Stadtverwaltung
wechseln, und Esther Maurer musste in den
sauren Apfel beissen (unter uns: mir leuchtet die
Argumentation, die grösste Partei müsse zwingend
auch das Polizeidepartement führen, nicht
ein). Bobby war wieder der alte, wie immer auf
dem Stadtratsgruppenbild mit offenem Hemd,
ohne Krawatte, den herkömmlichen bescheidenen,
aber gemütlichen Wohn- und Kochstil
pflegend. Im Sommer erreichten uns jeweils von
einer griechischen Insel seine Krimi-Rezensionen.
Und einmal im Jahr trafen wir SP6-
Vertreter in Parlament und Regierung uns zu
anregenden und ungezwungenen Nachtessen, an
die ich mich gerne erinnere. Unter Bobbys
Zuständigkeit wurden wesentliche Wohnprobleme
angepackt, nämlich diejenigen für alte und
kranke Menschen. Die Stiftung Alterswohnungen
kam finanziell, organisatorisch und baulich
wieder auf die Beine, Nutzungskonzepte von
Altersheimen, Krankenheimen und Spitälern
wurden überprüft, Sanierungen und Neubauten
angepackt. An den Wahlen 2006 erzielte Bobby
das beste Resultat aller Kandidierenden.
Der mir zur Verfügung gestellte Platz reicht nicht
aus um das politische Wirken von Bobby Neukomm
während der letzten 20 Jahre im Stadtrat
umfassend zu beleuchten. Einige wenige Hinweise
konnte ich geben, und bei diesem letzten
geht um zentrale Werte, die Bobby immer ganz
wichtig waren. In Vertretung des Stadtrates und
als indirekter Nachfolger des Rates von Zürich
während der Reformationszeit von 1527-1532,
bat er anlässlich der Enthüllung einer Gedenktafel
an der Schipfe die Täufer um Verzeihung
für das an ihnen begangene Unrecht. Mindestens
sieben Täufer wurden durch Ertränken
in der Limmat ermordet.
Bobby Neukomm's Schlusssatz:
Diese Gedenktafel soll auch daran
erinnern, dass Staatsräson und religiöse
Konflikte sich nie über die Menschenrechte
erheben dürfen.
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