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Nachruf Dieter Läuchli
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Von Nicola Behrens Co-Präsident SP6
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Unser hochgeschätzte
Genosse und lieber
Freund Dieter Läuchli
ist am Morgen des 6.
Dezember 2010 gestorben,
vermutlich
infolge eines Herzinfarktes.
Dieter wurde während des ganzen Wochenendes
von Atemnot geplagt, so dass er am Sonntag
die Hilfe von Daniel Rohr in Anspruch nehmen
musste, um seine Wäsche zu machen. Daniel
hat Dieter wiederholt und dringenden angeboten,
ihn in die Notaufnahme des Universitätsspitals
zu bringen oder das Ärztefon anzurufen.
Aber Dieter hat dies vehement von sich gewiesen.
An nächsten Morgen ist er von Daniel Rohr
tot in seiner Wohnung aufgefunden worden.
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Und auch wenn es nun tragisch endete: irgendwie
ist die Geschichte auch wieder typisch für
Dieter Läuchli! Wir haben Dieter ja alle als sehr
konsequente Person kennen und schätzen gelernt.
Wenn Dieter sich etwas in den Kopf gesetzt
hat, wenn er von einer Sache überzeugt
war, dann zog er das durch.
Die Abdankung von Dieter hat am 17. Dezember
2010 in der Neuapostolischen Kirche von Staufen/
Lenzburg stattgefunden. Und obwohl es ein
ganz normaler Arbeitstag gewesen ist, kam ein
ganz beachtlicher Besucherstrom aus der
"Ferne" (so die Umschreibung von Zürich in der
Abdankung), der Dieter die letzte Ehre erwiesen
hat. Die Neuapostolische Kirche in Staufen wird
zuvor wohl noch nie von so viele "Ungläubigen"
heimgesucht worden sein.
Auch weil viele der Gottesdienstteilnehmenden
den Eindruck hatten, dass Dieter eine ausführlichere
Würdigung verdient habe, als der eher
kurz und etwas summarisch ausgefallenen Lebenslauf
in der Abdankung, nehme ich nun den
Platz in diesem Info in Anspruch, der einer Würdigung
von Dieter zusteht.
Dieter ist am 18. September 1956 in Lenzburg
geboren. Er ist dort mit vier Geschwistern in
ziemlich einfachen Verhältnissen aufgewachsen.
Er hat in Lenzburg die Primar- und dann die Bezirksschule
absolviert und hat er eine Lehre als
Maschinenzeichner in der GF in Aarau gemacht.
Schon dort ist er - höchstwahrscheinlich im
SMUV - gewerkschaftlich organisiert gewesen. Er
ist schon damals in einer kabarettistischkulturellen
Gruppe aktiv gewesen, zu der auch
Beat Schlatter gehört hat.
Dieter kam 1986 nach Zürich und wohnte zuerst
an der Goldauerstrasse 28. Er arbeitete in der
Toni-Molkerei und wurde dort Obmann der VHTL-Gewerkschaftsgruppe.
Er trat rasch der SP 6 bei und ist dann auch
gleich in den Vorstand gewählt worden. Im Vorstand
der SP 6 blieb er bis 2001. Er hat dort als
Agitationsobmann die Vollverteiler von Flugblättern
in alle Haushalte und die Standaktionen
organisiert. In der Zeit vor dem E-Mail und dem
Natel war dies eine sehr aufwändige Angelegenheit:
Alle aktiven Genossinnen und Genossen
mussten per Brief über die Aktion informiert werden.
Dann mussten jene telefonisch nachbearbeitet
werden, die auf die briefliche Aufforderung
nicht reagiert hatten. Und dann musste
Dieter noch - meist per Telefon - noch die Ersatzleute
finden, um eine genügenden Personalbestand
für die Aktion sicher zu stellen.
Dadurch stand Dieter automatisch mit allen aktiven
Genossinnen und Genossen in einem ständigen
Kontakt. Diese Kontakte haben ihm ausgesprochen
zugesagt. Ja, es ist nicht übertrieben
zu sagen, dass ihm die gesellige Seite des
Parteilebens wirklich am Herzen lag.
Deshalb hat sich Dieter auch ganz speziell um
die gesellschaftlichen Anlässe in der SP 6 gekümmert.
Er war für mehr als 1 1/2 Jahrzehnte
unser Maibummel-Delegierter - eine Funktion
die er "erfunden" und mit grosser Freude und
Engagement gelebt und ausgefüllt hatte. Er organisierte
- meist über irgendwelche Bekanntschaften
- jedes Jahr einen Ausflug zu einer uns
vorher noch unbekannten SP-Sektion, mit der
wir dann einen Tag verbrachten und die wir
dann im Gegenzug zu unserer Kulutr-MV im Dezember
einluden.
Dieter machte auch wenn immer möglich mit am
gemeinsamen sommerlichen Grillabend mit der
SP 10, dem Waidbadfest.
Bereits legendär war sein Engagement in der
"Bastelgruppe" der SP 6, die in der Garage von
Corine Mauch das Transparent für den 1. Mai
fabrizierte. Die leicht flapsigen Slogans dieser
Transparente, die natürlich immer von Dieter
stammen und gegenüber den Mitgliedern der
Sektion bis zum Umzug selbst geheim gehalten
wurden mussten, waren jeweils einer der Höhepunkte
der Jahres für Dieter. Dass es dann gerade
diese Transparente oft in die Berichterstattung
zum 1. Mai in Zürich schafften und bei Bedarf
sogar übers ganze Jahr immer wieder als
Illustration aktueller Ereignisse herhalten konnte,
machte Dieter zu Recht mächtig stolz.
Dieter hat sich inhaltlichen sehr stark auf Verkehrsfragen
fokussiert. Er war einer der Motoren
der Verkehrsgruppe der SP 6. Er schloss sich
dadurch auch dem Einwohnerverein Kreis 6 und
dem Quartierverein Unterstrass an. Die IG Rosengarten
sowie die IG Westtangente Plus hat er
mit aufgebaut. In all diesen Organisationen hat
er lange Jahre äussert aktive Vorstandsarbeit
geleistet. Er war bei all diesen Organisationen
immer an vorderster Front dabei, ob es sich um
Räbeliechtliumzug, Asterix bei den Wipkingern,
den Oberstrassmärt oder Autoscheuchen handelte.
Bei der IG war seit der Gründung der Kassier.
1995 zog er um an die neue Adresse Im eisernen
Zeit 15.
1999 schloss die Toni-Molkerei in Zürich, die
sich nun Swiss Diary Food nannte. Für Dieter
war dies ein herber Schlag, hatte er sich doch
auch hier mit viel Engagement in den Dienst seiner
Toni-Molkerei gestellt. Dieter konnte zum
Migros Genossenschaft Bund wechseln, wo er
bei der Planung und dem Unterhalt von Produktionsanlagen
tätig wurde.
2001 zog sich Dieter zwar aus dem Vorstand,
aber überhaupt nicht aus dem Sektionsleben
zurück. Neben der Funktion des Maibummeldelegierten
übernahm er nun auch die Rolle eines
Revisors der SP 6. 2001 ist Dieter auch als erster
Preisträger mit dem Prix Enzo ausgezeichnet
worden, einem von der SP der Stadt Zürich gestifteten
Anerkennungs-Preis für besonders aktive
Genossinnen und Genossen, deren Einsatz
nicht im Dienste der Förderung einer eigenen
Karriere stand.
Der Rücktritt aus dem Vorstand der SP 6 stand
auch im Zusammenhang mit seinem verstärkten
Einsatz in den Quartier- und Kulturinitiativen im
Kreis 6.
Besonders lag ihm das Theater Rigiblick am Herzen,
für das er sich - seit dessen Anfängen - jahrelang
als Vizepräsident und vor allem intensiv
als Quästor eingesetzt hat. Dieter hat die gesamte
Buchhaltung des Theaters unentgeltlich und
äusserst zuverlässig erledigt. Einen Bonus, der
ihm vom Vorstand für den immer höher werdenden
Arbeitsaufwand angeboten wurde, wies er
höflich aber bestimmt mit der Begründung zurück,
dass Vereinsarbeit Freiwilligenarbeit sei.
Dieter war aber nicht nur durch diesen Einsatz
eine Stütze des Theaters, er wurde - wie man an
seiner Abdankung sehen konnte - auch als Persönlichkeit
von den aktiven und ehemaligen Vorstands-
und Team-Mitgliedern ausserordentlich
geschätzt.
2008 wurde das Haus Im eisernen Zeit 15 renoviert
und Dieter fand, trotz seiner exzellenten
Kontakte im Kreis 6, nur eine Wohnung im Kreis
4 an der Zinistrasse 11. Dieter baute deshalb
seine Engagements in den reinen Quartierorganisationen
ab und stellte sich vor allem in den
Dienst des Theaters Rigiblick. Die Sektion zu
wechseln und in die SP 4 überzutreten wäre für
Dieter aber undenkbar gewesen.
Ich finde, dass sich Dieter in den letzten Jahren
völlig authentisch und logisch verhalten und entwickelt
hat. Er hat sich schon immer leidenschaftlich
für Musik begeistert. Man hat ihn nie
im Tram getroffen, ohne dass er gerade seine
Kopfhörer montiert und Musik gehört hätte.
Er hat auch immer sehr viel gelesen. Einerseits
hat es ihm einfach gute Literatur angetan, andererseits
hatte er auch ein grosses Faible für Satire.
Dass er eine grosse Freude am Spiel mit Worten
hatte, das lebte er ja schon in den 1. Mai-
Transparenten aus.
Dieter hat sich auf autodidaktischem Wege ein
breites Wissen und ein sicheres kulturelles Urteil
angeeignet. Und er ist auch menschlich gereift.
Der reine politische Aktivismus reichte ihm nicht
mehr. Er setzte sich nun nachhaltig, dafür aber
auch mit Haut und Haar, für das Kulturprojekt
Theater Rigiblick ein. Er ist für mich als Person
ohne diese Liebe zur Kultur und zu den Menschen
nicht denkbar.
Es zieht sich wie ein rotes Faden durch sein ganzes
Leben, dass Dieter in der Gewerkschaft und
in der SP, in den Quartier- und den Kulturinitiativen
Freunde und Freundinnen suchte und fand,
die die gleichen Ziele hatten und auch das Beste
aus dem Leben zu machen versuchten. Dieter
liebte den Kontakt mit Menschen. Er war immer
echt, ehrlich, neugierig und humorvoll. Und er
schätzte Menschen, die das auch waren. Authentisch.
Wir haben einen ganz wertvollen Menschen verloren.
Zürich, 22.Dezember 2010
Nicola Behrens
Ich danke Myriam Barzotto, Ueli Keller, Daniel
Rohr, Brigitta Stahel für die Mitarbeit.
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